HomeEnergie- & WohnkostenfehlerAbschläge & VorauszahlungenZu hohe Abschläge nach Preiserhöhung – was jetzt möglich ist

Zu hohe Abschläge nach Preiserhöhung – was jetzt möglich ist

Wenn der Abschlag nach der Preiserhöhung plötzlich nicht mehr passt

Nach einer Preiserhöhung kommt oft der nächste Schock: Der monatliche Abschlag steigt deutlich, manchmal so stark, dass er nicht mehr zur eigenen Nutzung oder zur Haushaltskasse passt. Viele zahlen dann monatelang zu viel – einfach, weil „das schon stimmen wird“. Genau hier entsteht der typische Kostenfehler: Der Abschlag ist keine Rechnung, sondern eine Vorauszahlung. Und Vorauszahlungen dürfen angepasst werden, wenn sie erkennbar nicht (mehr) zur Realität passen.

Viele Versorger setzen Abschläge automatisiert neu fest. Das kann fair sein, kann aber auch danebenliegen – etwa weil der Verbrauch gesunken ist, eine Person ausgezogen ist, ein Gerät ersetzt wurde oder weil die Preiserhöhung zwar angekündigt, aber im Abschlag gleich „auf Verdacht“ überzogen eingepreist wurde. Entscheidend ist: Ein höherer Preis rechtfertigt nicht automatisch jeden beliebigen Abschlag. Es muss nachvollziehbar bleiben, wie der Betrag zustande kommt.

Warum Abschläge nach Preiserhöhungen so oft zu hoch sind

Ein Abschlag soll die erwarteten Jahreskosten möglichst gleichmäßig auf zwölf Monate verteilen. In der Praxis wird dabei häufig mit Standard-Logik gerechnet: alter Verbrauch × neuer Preis, plus Sicherheitsaufschlag, dann durch zwölf. Das klingt plausibel, ignoriert aber die Realität vieler Haushalte – und genau dort entsteht der Spielraum, in dem zu viel gezahlt wird.

 

Typische Konstellationen sind: Die Preiserhöhung kommt mitten im Abrechnungsjahr, der Abschlag wird aber so kalkuliert, als würde der neue Preis für das ganze Jahr gelten. Oder der Versorger nimmt einen geschätzten Verbrauch an, obwohl ein aktueller Zählerstand verfügbar wäre. Auch häufig: Der Verbrauch aus einem besonders kalten Winter wird als „Normaljahr“ übernommen, obwohl das Folgejahr milder war oder man bereits reagiert hat (Thermostate runter, kürzer duschen, sparsamere Geräte, neue Fensterdichtungen). Wenn dann noch ein pauschaler Puffer dazukommt, landet man schnell bei einem Abschlag, der mehr mit Risikomanagement als mit Ihrem tatsächlichen Bedarf zu tun hat.

Woran Sie erkennen, dass Ihr Abschlag wahrscheinlich zu hoch ist

Sie brauchen kein Fachwissen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob der neue Betrag grob passt. Es reicht eine kurze Plausibilitätsprüfung mit den Unterlagen, die Sie ohnehin haben: letzte Jahresabrechnung, Schreiben zur Preiserhöhung, aktueller Zählerstand (oder mindestens eine Zwischenablesung) und der neue Abschlag.

Ein Abschlag ist oft auffällig hoch, wenn er stärker steigt als der eigentliche Arbeitspreis oder Grundpreis. Beispiel: Der Preis pro kWh steigt spürbar, aber der Abschlag verdoppelt sich – obwohl Sie nicht doppelt so viel verbrauchen. Ebenso verdächtig: Der Abschlag steigt, obwohl Ihr Haushalt weniger Personen hat oder Sie nachweislich weniger verbrauchen (z. B. weil Sie die Heizung deutlich niedriger fahren). Ein weiteres Warnsignal ist ein sehr hoher Abschlag kurz nach einer Preiserhöhung, ohne dass eine aktuelle Verbrauchsbasis genannt wird. „Wir haben Ihren Abschlag angepasst“ ist als Begründung zu dünn, wenn der Sprung groß ist.

Was „zu hohe Abschläge“ finanziell wirklich bedeuten

Viele unterschätzen den Schaden, weil am Jahresende „ja abgerechnet wird“. In der Realität ist der Effekt klar: Sie geben dem Versorger über Monate ein zinsloses Darlehen. Dieses Geld fehlt Ihnen für Miete, Lebensmittel oder Rücklagen. Und es verschiebt Ihr Risiko: Kommt die Erstattung später, sind die Monate mit zu hoher Belastung trotzdem passiert.

Ein greifbares Rechenbeispiel: Ihr Abschlag steigt von 160 auf 260 Euro. Das sind 100 Euro pro Monat mehr. Wenn das ein halbes Jahr so läuft, sind 600 Euro zusätzlich „geparkt“. Selbst wenn Sie am Ende 600 Euro zurückbekommen, hatten Sie die ganze Zeit weniger finanziellen Spielraum – und im Zweifel mussten Sie Dispo, Raten oder andere teure Zwischenlösungen nutzen. Genau deshalb lohnt es sich, Abschläge nicht einfach hinzunehmen.

Welche Möglichkeiten Sie jetzt konkret haben

Wenn der Abschlag aus Ihrer Sicht nicht passt, sind Sie nicht auf „abwarten“ festgelegt. Es gibt mehrere sinnvolle Wege – von sofortiger Korrektur bis zur sauberen Datengrundlage. Wichtig ist, dass Sie geordnet vorgehen und nicht nur „gefühlt“ argumentieren. Ein Versorger reagiert deutlich eher, wenn Sie Zahlen liefern, die nachvollziehbar sind.

Abschlag prüfen und mit einfachen Zahlen neu herleiten

Der pragmatischste Ansatz ist eine eigene Abschlagsrechnung auf Basis Ihres realistischen Jahresverbrauchs. Dafür gibt es zwei Varianten: Entweder Sie nehmen den Verbrauch aus der letzten Abrechnung und passen ihn an, wenn sich etwas geändert hat (weniger Personen, sparsameres Verhalten, Wärmepumpe, neue Fenster, längere Abwesenheit). Oder Sie arbeiten mit einem Zwischenstand: Zählerstand heute minus Zählerstand vor X Monaten ergibt den Verbrauch in diesem Zeitraum. Hochgerechnet auf zwölf Monate haben Sie eine solide Orientierung.

Dann setzen Sie diesen Verbrauch mit dem neuen Preis an und addieren den Grundpreis. Das Ergebnis teilen Sie durch zwölf. Damit haben Sie einen Abschlag, der inhaltlich begründet ist. Wenn Ihr Vorschlag deutlich unter dem neuen Abschlag liegt, ist das kein „Wunschbetrag“, sondern ein nachvollziehbares Gegenangebot.

Abschlagsanpassung verlangen – schriftlich und mit Zählerstand

Eine Abschlagsänderung klappt in der Praxis am besten, wenn Sie einen aktuellen Zählerstand mitschicken und kurz erklären, warum der aktuelle Abschlag nicht passt. Ein Satz wie „Bitte reduzieren Sie den Abschlag“ reicht selten. Besser ist eine kurze, ruhige Begründung: aktueller Verbrauch, Hochrechnung, daraus abgeleiteter Abschlag. So machen Sie es dem Versorger leicht, die Anpassung intern zu genehmigen.

Wichtig ist auch der Ton: sachlich, ohne Drohungen, ohne Eskalation. Sie wollen eine plausible Korrektur, keine Grundsatzdiskussion. Gleichzeitig sollten Sie um eine schriftliche Bestätigung bitten, damit später klar ist, ab wann welcher Abschlag gilt.

Zahlung auf realistischen Betrag anpassen – mit Augenmaß

Manche Haushalte entscheiden sich, vorübergehend nur den Betrag zu zahlen, den sie als realistisch ermittelt haben. Das kann kurzfristig Luft verschaffen, ist aber nicht die bequemste Lösung, weil es Rückfragen, Mahnläufe oder Missverständnisse geben kann, wenn der Versorger seine Systemlogik nicht anpasst. Wenn Sie diesen Weg gehen, ist die wichtigste Regel: Nicht einfach kommentarlos weniger überweisen. Informieren Sie vorher schriftlich und begründen Sie die Anpassung. So vermeiden Sie, dass es wie ein „Zahlungsverzug ohne Grund“ wirkt.

In vielen Fällen ist es klüger, erst die offizielle Anpassung zu bekommen und bis dahin notfalls einen kleinen Puffer mitlaufen zu lassen, statt zu stark abzuweichen. Ziel ist nicht, jeden Euro sofort zu sparen, sondern dauerhaft nicht zu viel zu zahlen, ohne unnötige Nebenprobleme zu erzeugen.

Typische Fehler, die Sie vermeiden sollten

Bei Abschlägen passiert viel aus Stress. Und Stress führt zu den gleichen drei Fehlern, die am Ende Geld kosten oder den Prozess unnötig verlängern. Erstens: Man reagiert gar nicht und zahlt monatelang weiter, obwohl der Betrag sichtbar nicht passt. Zweitens: Man reagiert emotional, telefoniert sich fest und hat am Ende nichts Schriftliches in der Hand. Drittens: Man rechnet mit Wunschzahlen statt mit Verbrauchsdaten und wundert sich dann, wenn der Versorger ablehnt.

Wenn Sie es richtig aufziehen, ist es selten kompliziert. Sie brauchen nur eine saubere Basis: aktueller Zählerstand, kurze Hochrechnung, klarer Zielabschlag. Damit sind Sie deutlich stärker aufgestellt als die meisten Verbraucher, die „einfach mal fragen“.

Was Sie zusätzlich prüfen sollten, wenn der Abschlag steigt

Ein hoher Abschlag kann auch ein Hinweis sein, dass in der Kommunikation oder Abrechnung etwas grundsätzlich nicht sauber ist. Deshalb lohnt ein kurzer Zusatzcheck, bevor Sie sich nur auf den Abschlag konzentrieren. Prüfen Sie, ob die Preiserhöhung wirklich auf Ihren Vertrag angewendet wurde, ab welchem Datum sie gelten soll und ob der Zeitraum in der Abschlagslogik überhaupt korrekt berücksichtigt wurde. Prüfen Sie außerdem, ob ein falscher Verbrauch hinterlegt ist, etwa durch eine Schätzung, die nicht zu Ihrem Zähler passt, oder durch einen Zahlendreher bei der Übernahme alter Daten.

Wenn Sie umgezogen sind oder es einen Lieferantenwechsel gab, sind Fehlannahmen besonders häufig. Dann wird der Verbrauch des Vormieters, eine Standardannahme oder ein Zeitraum mit falscher Zählerzuordnung verwendet. In solchen Fällen ist die Abschlagskorrektur zwar möglich, aber die Ursache liegt tiefer – und sollte gleich mit korrigiert werden, damit nicht beim nächsten Schreiben wieder der gleiche Fehler passiert.

Wie Sie Ihr Geld „zurückholen“, ohne auf die Jahresabrechnung zu warten

„Geld zurückholen“ heißt bei Abschlägen oft: künftige Überzahlungen stoppen. Eine direkte Rückzahlung während des laufenden Abrechnungszeitraums ist nicht immer der Standardweg, aber eine Abschlagssenkung wirkt sofort in Ihrer Monatsbelastung. Zusätzlich können Sie strategisch arbeiten, indem Sie einen realistischen Abschlag plus kleinen Puffer wählen, statt einen überzogenen Betrag zu finanzieren.

 

Wenn Sie bereits mehrere Monate zu viel gezahlt haben, können Sie das in der Kommunikation klar benennen: „Seit Monat X liegt der Abschlag bei …, nach aktueller Hochrechnung wäre … angemessen.“ Oft ist der praktische Effekt dann: Der Abschlag wird gesenkt, und die „zu viel gezahlten“ Monate gleichen sich später in der Jahresabrechnung aus. Das ist nicht spektakulär, aber finanziell spürbar, weil Sie ab sofort wieder Kontrolle über Ihre laufenden Kosten bekommen.

Mini-Checkliste für Ihren nächsten Schritt

Wenn Sie heute handeln wollen, brauchen Sie keine lange Vorbereitung. Diese drei Schritte reichen in der Praxis sehr oft:

  • Aktuellen Zählerstand notieren und den Verbrauch seit der letzten Ablesung grob hochrechnen.
  • Neuen Preis aus dem Preiserhöhungsschreiben nehmen und einen eigenen Monatsabschlag berechnen.
  • Schriftlich die Anpassung verlangen, Zählerstand und Zielabschlag nennen, Bestätigung anfordern.

Damit sind Sie innerhalb kurzer Zeit von „Ich fühle mich ausgeliefert“ zu „Ich habe einen begründeten Betrag und setze ihn durch“ gekommen – genau das verhindert, dass Sie unnötig lange zu hohe Abschläge zahlen.

die letzten beiträge

ebenfalls interessant

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein