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Strom- und Gasabschläge deutlich höher als der Verbrauch

Wenn monatlich zu viel abgebucht wird, obwohl dein Verbrauch niedrig ist

Hohe Abschläge sind kein „Schicksal“. Häufig stecken falsche Annahmen, veraltete Daten oder unpassende Einstellungen dahinter – und du kannst das meist relativ klar prüfen und korrigieren.

Viele merken es erst, wenn die Abbuchung plötzlich steigt oder das Konto regelmäßig ins Minus rutscht. Dabei sind Strom- und Gasabschläge im Kern nur eine Vorauszahlung: Der Anbieter schätzt deinen Jahresverbrauch, teilt ihn auf Monate auf und bucht diesen Betrag ab. Wenn die Schätzung nicht zu deinem tatsächlichen Verbrauch passt, zahlst du jeden Monat zu viel – und wartest im schlimmsten Fall bis zur Jahresabrechnung, um dein Geld zurückzubekommen. Genau hier lohnt es sich, früh zu handeln.

Warum Abschläge überhaupt „zu hoch“ wirken können

Abschläge sollen den Anbieter vor Zahlungsausfällen schützen und dir eine gleichmäßige Monatsbelastung geben. Das Problem: Diese Beträge beruhen oft auf Schätzungen, die nicht aktuell sind. Nach einem Umzug, einem Personenwechsel im Haushalt, einem neuen Sparverhalten oder einem neuen Tarif kann die Rechnung auf alten Werten basieren.

 

Manchmal ist der Abschlag auch nicht objektiv zu hoch – sondern unpraktisch verteilt. Wenn der Anbieter sehr konservativ kalkuliert oder bestimmte Monate stärker gewichtet, kann die monatliche Last höher ausfallen, obwohl am Ende ein Guthaben entsteht. Für deinen Alltag ist das trotzdem ein Problem, weil du Liquidität verlierst.

Typische Ursachen, wenn Abschläge deutlich über dem Verbrauch liegen

Ein hoher Abschlag hat fast immer einen konkreten Auslöser. Die häufigsten sind:

  • Dein Verbrauch wurde zu hoch geschätzt (z. B. alte Daten, falsche Haushaltsgröße).
  • Es wurde ein falscher Zählerstand hinterlegt (z. B. Zahlendreher, geschätzter Stand).
  • Es gab eine Tarifumstellung oder Preisanpassung, die pauschal in den Abschlag eingerechnet wurde.

In der Praxis entstehen diese Fehler oft an Übergängen: Umzug, Anbieterwechsel, Zählerwechsel, neue Heizgewohnheiten oder ein neuer Abschlagsplan nach einer Abrechnung.

Woran du erkennst, ob du wirklich zu viel zahlst

Das sichere Gefühl bekommst du, wenn du Abschlag und Verbrauch in dieselbe Einheit bringst. Beim Strom ist es meist einfacher: Du siehst deinen Zählerstand, ermittelst deinen Monatsverbrauch grob und vergleichst ihn mit dem, was du bezahlst.

Beim Gas ist es ähnlich, nur dass die Abrechnung oft über Umrechnung (z. B. von Kubikmeter in Kilowattstunden) läuft. Für eine erste Einschätzung reicht aber oft der Trend: Wenn dein Zählerstand seit Monaten nur wenig steigt, dein Abschlag aber sehr hoch ist, ist die Schätzung wahrscheinlich unpassend.

Ein typisches Warnsignal ist auch die Logik: Du wohnst allein, bist tagsüber selten zu Hause, heizt sparsam – und dein Abschlag entspricht dem einer vierköpfigen Familie. Oder du hast einen Sommerabschlag, der so hoch ist wie im Winter, obwohl du kaum heizt.

Der schnelle Selbst-Check in 15 Minuten

Du brauchst dafür keine komplizierten Tools, sondern nur aktuelle Zählerstände, deine letzte Abrechnung und die Information, wie viel monatlich abgebucht wird.

  1. Lies deinen Zählerstand ab (Strom und/oder Gas).
  2. Schau in der letzten Abrechnung nach: Jahresverbrauch, Preis pro Einheit, Grundpreis, Zeitraum.
  3. Rechne grob: Was würdest du bei ähnlichem Verbrauch im Jahr zahlen – und wie viel zahlst du aktuell per Abschlag?

Wenn du dabei merkst, dass deine aktuellen Abschläge deutlich über dem liegen, was realistisch ist, ist der nächste Schritt fast immer sinnvoll: Abschlag anpassen lassen – aber sauber begründet.

Häufige Fehlerquellen im Detail

Veraltete Verbrauchsdaten nach Umzug oder Haushaltsänderung

Ein Klassiker: Du übernimmst einen Vertrag oder meldest dich neu an, und der Anbieter setzt einen Standardwert an. Oder er nutzt Daten vom Vormieter, die nicht zu deinem Haushalt passen. Das führt zu einem Abschlag, der von Anfang an zu hoch ist.

Wichtig ist hier der Einzug- bzw. Übergabezählerstand. Wenn dieser nicht korrekt erfasst wurde, basiert alles Weitere auf einer falschen Ausgangslage.

Falscher Zählerstand oder geschätzte Werte

Wenn ein Anbieter keinen aktuellen Stand hat, wird geschätzt. Das ist nicht automatisch „betrügerisch“, aber es kann dich monatlich Geld kosten. Schätzungen sind häufig zu hoch, weil Anbieter lieber auf Nummer sicher gehen.

Auch Zahlendreher passieren: Ein falsch übermittelter Stand kann den Jahresverbrauch „sprengen“ und damit den Abschlag massiv erhöhen. Das merkst du oft, wenn in der Abrechnung ein Verbrauch steht, der nicht zu deinem Alltag passt.

Preiserhöhung wird pauschal in den Abschlag eingerechnet

Wenn Preise steigen, erhöhen manche Anbieter automatisch den Abschlag, um eine Nachzahlung zu vermeiden. Das kann grundsätzlich nachvollziehbar sein – aber nicht, wenn dein Verbrauch gleichzeitig gesunken ist oder die Erhöhung überzogen kalkuliert wurde.

Hier hilft der Vergleich: Hat sich dein Verbrauch verändert? Wenn ja, sollte der Abschlag nicht allein wegen eines höheren Arbeitspreises explodieren.

Gas: Saison-Effekt und übervorsichtige Abschlagspläne

Bei Gas hängt viel am Winter. Manche Abschlagspläne verteilen die erwarteten Kosten aber zu gleichmäßig oder zu „winterlastig“. Dadurch kann der Abschlag im Verhältnis zu den Sommermonaten hoch wirken.

Wenn du nachweislich wenig heizt (z. B. weil du viel außer Haus bist oder eine gut gedämmte Wohnung hast), kann ein Standardplan trotzdem zu hoch sein.

So gehst du vor, um den Abschlag zu senken

Der beste Hebel ist eine nachvollziehbare Begründung mit aktuellen Zählerständen. Dabei musst du nicht diskutieren, sondern ruhig und klar die Grundlage liefern.

Schritt 1: Aktuelle Zählerstände dokumentieren

Notiere den Stand und das Datum. Mach für dich zusätzlich ein Foto – nicht für eine Veröffentlichung, sondern als private Absicherung, falls später Fragen auftauchen.

Schritt 2: Realistischen Jahresverbrauch ableiten

Du musst nicht perfekt rechnen. Es reicht, wenn du aus den letzten Wochen oder Monaten einen Trend ableitest. Wenn du zum Beispiel in zwei Monaten X Einheiten verbraucht hast, kannst du grob hochrechnen. Wichtig ist: plausibel, nicht „schön gerechnet“.

Schritt 3: Abschlagsanpassung anfordern

Viele Anbieter ermöglichen das direkt im Kundenkonto. Wenn nicht, geht es telefonisch oder schriftlich. Entscheidend ist, dass du konkrete Werte lieferst: aktueller Stand, bisheriger Verbrauch, gewünschter Abschlag.

Eine einfache Logik wirkt oft am besten: „Mein Verbrauch liegt deutlich unter der Annahme. Bitte setzen Sie den Abschlag entsprechend niedriger an.“

Schritt 4: Konto im Blick behalten – aber nicht überreagieren

Wenn der Abschlag sinkt, besteht theoretisch das Risiko einer Nachzahlung, falls du dich verschätzt. Deshalb ist ein Zwischencheck sinnvoll: Lies nach 4–6 Wochen erneut ab und schaue, ob der Trend passt. So bleibst du sicher, ohne dich von hohen Abschlägen „ausbremsen“ zu lassen.

Was du tun kannst, wenn der Anbieter nicht mitspielt

Manchmal werden Abschläge nur zögerlich angepasst oder es wird auf die nächste Abrechnung verwiesen. Dann hilft es, sachlich nachzuschärfen.

  • Bitte um eine Begründung, auf welcher Verbrauchsannahme der Abschlag basiert.
  • Biete an, regelmäßig Zählerstände zu übermitteln, damit die Kalkulation aktualisiert wird.
  • Prüfe, ob du deinen Abschlag im Online-Konto selbst einstellen kannst – manche Anbieter begrenzen das nur in einem gewissen Rahmen.

Wenn du dauerhaft das Gefühl hast, dass dein Anbieter sehr unflexibel ist oder wiederholt mit überhöhten Annahmen arbeitet, kann ein Wechsel langfristig der entspanntere Weg sein – vor allem, wenn du ohnehin über Preise und Konditionen unzufrieden bist.

Praxisbeispiel: So entsteht ein unnötig hoher Abschlag

Stell dir vor: Du ziehst in eine kleinere Wohnung, bist viel unterwegs und heizt bewusst sparsam. Trotzdem setzt der neue Anbieter einen hohen Standardverbrauch an, weil im System „Haushalt unbekannt“ steht oder Daten vom Vormieter übernommen wurden. Nach der ersten Preisanpassung wird der Abschlag zusätzlich erhöht.

Du zahlst dadurch jeden Monat zu viel, obwohl dein Zählerstand kaum steigt. Wenn du erst zur Jahresabrechnung reagierst, ist das Geld zwar nicht weg – aber monatelang gebunden. Mit einer Abschlagsanpassung nach den ersten echten Verbrauchsdaten hättest du das sofort entschärfen können.

Wie du künftig vermeidest, monatelang zu viel zu zahlen

Ein kleiner Rhythmus hilft: nicht ständig kontrollieren, aber regelmäßig genug, um grobe Fehlentwicklungen früh zu sehen.

Nach Umzug oder Tarifwechsel früh einen Verbrauchs-Check machen

Gerade in den ersten 6–10 Wochen zeigt sich, ob die Schätzung passt. Ein einmaliger Zwischenstand reicht oft aus, um den Abschlag realistisch zu setzen.

Einmal pro Quartal Zählerstand notieren

Das ist keine Bürokratie, sondern eine einfache Kontrolle. Du erkennst schnell, ob du im Plan bist oder ob der Abschlag zu hoch angesetzt ist.

Abschläge nicht nur „ertragen“, sondern steuern

Viele Verbraucher akzeptieren Abschläge, weil sie denken, das sei fix. In Wirklichkeit ist es oft verhandel- und anpassbar, solange du nachvollziehbare Daten lieferst. Das Ziel ist nicht, maximal niedrig zu zahlen – sondern passend.

Wann ein zu hoher Abschlag auch ein Warnsignal sein kann

Manchmal ist der Abschlag nicht nur eine falsche Schätzung, sondern ein Hinweis auf etwas anderes: zum Beispiel ein ungewöhnlich hoher Verbrauch durch ein defektes Gerät, eine falsche Einstellung an der Heizung oder eine dauerhaft laufende Warmwasserbereitung.

 

Wenn deine Zählerstände tatsächlich stark steigen, obwohl du sparsam bist, lohnt sich ein technischer Blick: Geräte, Heizung, Warmwasser, Standby-Verbrauch. Dann ist die Lösung nicht nur „Abschlag senken“, sondern „Ursache finden“.

Das Wichtigste zum Mitnehmen

Wenn Strom- und Gasabschläge deutlich höher als dein Verbrauch wirken, ist das häufig korrigierbar. Mit aktuellen Zählerständen und einer plausiblen Einschätzung kannst du den Abschlag oft zeitnah anpassen lassen – und verhinderst, dass unnötig viel Geld über Monate vom Konto abgeht. Entscheidend ist, nicht bis zur Jahresabrechnung zu warten, sondern früh den Trend zu prüfen und ruhig nachzusteuern.

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