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Abschläge steigen, Verbrauch bleibt gleich – woran das liegt

Warum du trotz gleichem Verbrauch plötzlich mehr zahlst

Du schaust auf deinen Zählerstand, dein Verhalten hat sich nicht geändert, vielleicht heizt du sogar sparsamer – und trotzdem kommt ein Schreiben: „Wir passen Ihren Abschlag an.“ Genau das ist einer der häufigsten Wohnkosten-Ärgernisse überhaupt, weil es sich wie ein Fehler anfühlt. Oft steckt dahinter tatsächlich eine Kostenlogik, die mit deinem realen Verbrauch nur indirekt zu tun hat. Und manchmal ist es schlicht eine ungünstige oder falsche Berechnung, die du nicht einfach hinnehmen musst.

Wichtig ist: Ein Abschlag ist keine Rechnung für das, was du gerade verbrauchst. Er ist eine monatliche Vorauszahlung, damit am Ende des Abrechnungszeitraums keine große Nachzahlung entsteht. Wenn der Versorger davon ausgeht, dass deine Jahreskosten steigen, erhöht er den Abschlag – selbst dann, wenn deine Kilowattstunden gleich bleiben. Genau hier liegt der Kern: Nicht der Verbrauch treibt den Abschlag, sondern die erwarteten Gesamtkosten.

Abschlag vs. Abrechnung: Der Unterschied, der dich Geld kosten kann

Viele verwechseln Abschläge mit einer „monatlichen Abrechnung“. In Wahrheit ist der Abschlag eine Schätzung und wird meist aus dem letzten Abrechnungsjahr abgeleitet. Die Jahresabrechnung ist die echte Rechnung, in der Verbrauch, Preise, Grundpreis, Steuern, Umlagen und ggf. Boni verrechnet werden.

 

Wenn du die Mechanik einmal klar hast, erkennst du schneller, ob die Erhöhung plausibel ist oder ob du gerade zu viel vorfinanzierst. Zu hohe Abschläge sind nicht „harmlos“, weil du das Geld erst mal aus der Hand gibst. Bei angespannten Haushaltsbudgets kann das direkt zu Dispo-Zinsen oder zu spät bezahlten Rechnungen führen – und damit zu echten Zusatzkosten.

Die häufigste Ursache: Preis steigt, Verbrauch bleibt gleich

Der Klassiker: Dein Verbrauch bleibt bei zum Beispiel 2.500 kWh Strom oder 12.000 kWh Gas, aber der Arbeitspreis ist gestiegen. Dann steigen die Jahreskosten, also steigt der Abschlag. Zusätzlich wird oft auch der Grundpreis angepasst. Das wirkt dann wie „Abschlag hoch ohne Grund“, ist aber rechnerisch schnell erklärbar.

Ein simples Beispiel: Du verbrauchst 2.500 kWh Strom pro Jahr. Früher lagen deine Gesamtkosten vielleicht bei 900 Euro, jetzt schätzt der Anbieter 1.200 Euro. Dann macht ein Abschlag von 100 Euro im Monat plötzlich „logisch“, obwohl du exakt gleich viel verbrauchst. Das Problem: Viele Anbieter schätzen nicht sauber, sondern schlagen Sicherheitszuschläge drauf oder rechnen mit falschen Annahmen.

Falsche Datenbasis: Schätzung statt echter Zählerstand

Wenn dein Anbieter keine aktuellen Zählerstände hat, arbeitet er mit Schätzwerten. Das passiert häufiger als man denkt – zum Beispiel, wenn ein Ablesetermin verpasst wurde, der Zähler schwer zugänglich ist oder ein digitaler Zähler nicht korrekt übertragen hat. Dann kann der Anbieter eine Verbrauchsprognose nutzen, die nicht zu deinem tatsächlichen Verbrauch passt.

Besonders kritisch wird es, wenn eine alte, hohe Schätzung in die Zukunft fortgeschrieben wird. Dann erhöht sich der Abschlag, obwohl du real längst weniger verbrauchst. Du zahlst dann nicht mehr für Energie, sondern du finanzierst eine falsche Prognose.

Nachzahlung im Vorjahr: Der Abschlag wird oft „überkorrigiert“

Wenn du in der letzten Abrechnung eine Nachzahlung hattest, erhöhen viele Versorger den Abschlag automatisch so, dass die nächste Abrechnung „glatt“ aufgeht. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar, aber in der Praxis wird oft zu stark angehoben.

Ein typischer Fall: Du hattest 240 Euro Nachzahlung. Der Anbieter teilt das durch 12 und schlägt 20 Euro pro Monat auf – zusätzlich zu einer Preissteigerung. So landet man schnell bei 30 bis 50 Euro mehr im Monat, obwohl sich dein Verhalten nicht geändert hat und die Nachzahlung vielleicht nur durch einen einmaligen Effekt entstanden ist (später Umzug, kurze Abrechnungsperiode, falsch geschätzter Startwert).

Abrechnungszeitraum und Umzug: Die versteckte Abschlagsfalle

Ein Umzug oder ein Wechsel des Abrechnungszeitraums kann die Logik sprengen. Wenn du zum Beispiel nur 9 Monate abgerechnet wurdest, aber dein Anbieter die Kosten trotzdem auf 12 Monate hochrechnet, entstehen krumme Werte. Oder du bist in eine Wohnung mit anderer Heizart gezogen, aber der Anbieter nutzt noch alte Verbrauchswerte aus dem vorherigen Haushalt.

Auch das kann passieren, wenn bei Einzug oder Auszug der Zählerstand falsch notiert wurde. Dann „verschiebt“ sich Verbrauch rechnerisch in dein Konto – und der Abschlag wird danach erhöht, obwohl dein tatsächlicher Verbrauch normal ist.

Abschläge steigen wegen neuer Prognosen: Haushaltsgröße, Wohnfläche, Heizverhalten

Manche Anbieter passen Prognosen an, wenn sie glauben, dass sich dein Profil geändert hat. Das kann durch interne Modelle passieren, ohne dass du aktiv etwas gemeldet hast. Ein neues Smart-Meter, eine andere Tarifstruktur oder ein „Standardprofil“ für deine Region kann dazu führen, dass dein erwarteter Jahresverbrauch hochgestuft wird.

Das ist besonders ärgerlich, wenn du bewusst sparst. Dann solltest du dich nicht mit Durchschnittswerten abspeisen lassen, sondern mit echten Zählerständen arbeiten.

Technische Ursachen: Messfehler, falscher Zähler, falsche Zuordnung

Seltener, aber teuer: Zähler sind falsch zugeordnet oder Werte werden in falsche Verträge gebucht. Das sieht man oft in Mehrfamilienhäusern, wenn Zählernummern verwechselt wurden oder nach einem Zählerwechsel die Zuordnung nicht sauber dokumentiert ist.

Ein Warnsignal ist, wenn deine Verbrauchskurve „unplausibel“ ist: Du bist viel weg, heizt wenig, aber die Werte steigen. Oder du siehst einen deutlichen Sprung, der nicht zu deinem Alltag passt. Dann lohnt sich eine Prüfung, bevor du monatelang zu hohe Abschläge zahlst.

So prüfst du in 10 Minuten, ob die Abschlagserhöhung plausibel ist

Du brauchst keine Tabellenkalkulation. Du brauchst nur drei Zahlen: deinen erwarteten Jahresverbrauch, den Arbeitspreis, den Grundpreis. Dann rechnest du grob die Jahreskosten aus und teilst sie durch 12.

So gehst du vor:

  • Jahresverbrauch × Arbeitspreis + (Grundpreis × 12) = geschätzte Jahreskosten
  • geschätzte Jahreskosten ÷ 12 = sinnvoller Monatsabschlag
  • Vergleich mit neuem Abschlag: Liegt der neue Abschlag deutlich über dem Wert, finanzierst du wahrscheinlich zu viel vor

Ein Rechenbeispiel für Strom: 2.500 kWh, Arbeitspreis 0,35 Euro/kWh, Grundpreis 12 Euro/Monat. Dann sind das 2.500 × 0,35 = 875 Euro plus 144 Euro Grundpreis = 1.019 Euro pro Jahr. Durch 12 sind das rund 85 Euro im Monat. Wenn dein Anbieter 115 Euro möchte, zahlst du grob 30 Euro monatlich zu viel vor – das sind 360 Euro Liquidität im Jahr, die dir fehlt.

Abschlag senken: Das sind die realistischen Hebel

Wenn du feststellst, dass der Abschlag nicht passt, hast du mehrere Möglichkeiten. Entscheidend ist, dass du mit Zahlen argumentierst, nicht mit Gefühl. Aktuelle Zählerstände sind dein stärkstes Werkzeug.

Aktuellen Zählerstand melden und neue Berechnung verlangen

Melde einen aktuellen Zählerstand und bitte um Neuberechnung des Abschlags auf Basis dieses Wertes. Wenn du zusätzlich noch den Stand von vor einigen Monaten hast, kann der Anbieter deinen echten Jahresverbrauch besser hochrechnen.

Je sauberer deine Daten, desto weniger Spielraum bleibt für „Sicherheitsaufschläge“.

Abschlag aktiv anpassen lassen statt einfach zahlen

Viele Versorger ermöglichen eine Anpassung des Abschlags. Das kann online gehen oder schriftlich. Wichtig ist, dass du einen Zielwert nennst, der rechnerisch begründet ist. Ein Abschlag muss nicht maximal hoch sein, er muss nur realistisch sein.

Tarif prüfen, statt nur am Abschlag zu drehen

Wenn der Abschlag steigt, ist das oft nur das Symptom. Die Ursache kann ein teurer Tarif sein, der still und leise teurer geworden ist. Wer nur den Abschlag senkt, kann am Ende trotzdem eine Nachzahlung bekommen. Sinnvoller ist häufig: Tarifkosten senken, dann kann der Abschlag automatisch runter.

 

Gerade bei Strom und Gas ist der Unterschied zwischen „okay“ und „zu teuer“ oft mehrere hundert Euro im Jahr. Und genau das ist das Geld, das im Alltag fehlt.

Typische Fehler, die dich Geld kosten – und wie du sie vermeidest

Viele zahlen zu viel, weil sie aus Angst vor Nachzahlungen jede Erhöhung akzeptieren. Das führt zu einem schiefen Effekt: Du gibst dem Anbieter ein zinsloses Darlehen, während du selbst vielleicht ins Minus rutschst.

Achte besonders auf diese Stolperstellen:

  • Abschlag basiert auf Schätzung statt Zählerstand
  • Nachzahlung wird pauschal und zu stark auf 12 Monate umgelegt
  • Preisänderungen und Grundpreis werden nicht sauber erklärt, sondern nur „mitgeteilt“

Wenn du diese drei Punkte prüfst, findest du in vielen Fällen schon den Grund – und oft auch den Hebel, um wieder auf ein faires Niveau zu kommen.

Wann eine Abschlagserhöhung ein echtes Warnsignal ist

Es gibt Fälle, da ist die Erhöhung nicht nur „unangenehm“, sondern ein Hinweis auf einen Fehler oder ein strukturelles Problem. Das gilt besonders dann, wenn du gleichzeitig eine ungewöhnliche Verbrauchsentwicklung siehst oder wenn die Erhöhung extrem ausfällt, ohne dass Preis und Tarif das erklären.

Wenn du zum Beispiel 40 bis 60 Prozent mehr Abschlag zahlen sollst, obwohl dein Tarif offiziell kaum teurer ist, solltest du genauer hinschauen. Häufig steckt dann eine falsche Prognose, eine falsche Ablesung oder eine unplausible Hochrechnung dahinter.

Am Ende zählt nicht, ob der Anbieter „darf“, den Abschlag anzupassen, sondern ob die Berechnung für deinen Fall passt. Wer das einmal sauber nachrechnet und konsequent mit echten Zählerständen arbeitet, hat die Kontrolle zurück – und verhindert, dass Monat für Monat zu viel Geld vom Konto geht.

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